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Gault&Millau (4 Trauben)

WeinGuide Deutschland 2019

Es bleibt wie es ist im beschaulichen Taubertal, unweit der zwischen Wertheim und Tauberbischofsheim traumhaft gelegenen und sensibel restaurierten Klosteranlage der burgundischen Zisterzienser Mönche. Sie ist deutschlandweit immer noch wenig bekannt und somit nach wie vor ein Ort der Ruhe und Besinnung. So verwundert es nicht, dass der immer gut gelaunte Konrad Schlör hier unabgelenkt ganz beständig und mit größter Liebe zum schmeckbaren Detail an der Qualität seiner Vision vom Schwarzriesling feilt. Dabei kann ihm landauf, landab tatsächlich niemand das Wasser beziehungsweise den Wein reichen. Und so ist das Verkosten der aktuell vorgestellten Kollektion eine aufregende Reise in die Vergangenheit und Zukunft zugleich.

Denn welche Einblicke und Rückschlüsse der mit derselben Sorgfalt wie sein Abkömmling Spätburgunder hier an- und ausgebaute Schwarzriesling zulässt, ist geschmacklich einfach atemberaubend.

Ausgehend von den beiden 2016er Paarungen Ortsweine und Erste Lagen, die sich im Grunde wirklich nichts schenken, hat der seidig-elegante Pinot Noir ein wenig die Nase vorne. Allerdings schließt in der Spitzenklasse (bei der Rarität Schwarzriesling ist bezeichnungsrechtlich kein Großes Gewächs vorgesehen) der ein Jahr länger gereifte Pinot Meunier eindrucksvoll auf.

Der Schwarzriesling ist aus dem Burgund als genetischer Vorfahre des Pinot Noir kommend seit über 400 Jahren vor allem in der Champagne unter dem Namen Pinot Meunier bekannt. Er ist – anders als der Name vermuten lässt – nicht mit dem Riesling verwandt und wird mancherorts noch richtig übersetzt Müllerrebe genannt. Diese Bezeichnung ist gut nachvollziehbar, denn wenn der Wind die Blätter in den Weinbergen bewegt, können diese wegen der silbernen Härchen auf der Blattunterseite wie frisch mit Mehl bestäubt wirken. Lange wurde er für eine Mutation des Spätburgunders gehalten, was sich nicht bestätigte. Vielmehr nimmt das Rebzucht-Bundesamt Kloster Neuburg heute an, dass der Schwarzriesling der Urvater der Burgunderfamilie ist. Er ist als weiß gekelterter Grundwein Bestandteil vieler Champagner und macht in der Champagne mit über 11.000 Hektar rund 30 Prozent der Gesamtrebfläche aus.

Das Image der Sorte hatte in Deutschland jahrzehntelang böse gelitten: Zu hohe Erträge hatten dünne Weine zur Folge; die übliche Maischeerhitzung sorgte für eine süßlich-marmeladige Note im Wein. „Ich wollte beweisen, dass der Schwarzriesling mit den besten Rotweinen ebenbürtig sein kann“, erklärt Konrad Schlör. Und es gelingt ihm immer wieder aufs Neue. Hier, am unteren Ende der Tauber, in Nordbaden, von Spöttern auch Badisch-Sibirien genannt, brauchen die Trauben erheblich länger bis zur Reife als etwa am Kaiserstuhl, was mitunter ganze zwei Wochen ausmacht. „Aber gerade das gibt ihnen ihre aromatische Tiefe“, erklärt Konrad Schlör.
Der Reicholzheimer First wurde 1476 erstmals als „Fyerst“ urkundlich erwähnt. Die südlich exponierte Einzellage First steigt sanft auf eine Höhe von 300 Metern an, der Untergrund besteht aus Kalkgestein.

Die westliche Spitze des Hangfußes steht auf Buntsandstein. Hier oben, auf bis zu 300 Metern Seehöhe, geraten auch Schlörs Weißweine fein und ausdrucksstark. 1984 waren die Schlörs aus der örtlichen Genossenschaft ausgetreten, die ausgerechnet Konrads Großvater mitbegründet hatte. Das Ziel: die Weine aus dem Reicholzheimer First selbst abzufüllen und zu vermarkten und – als fast logische Folge – mit dem Schwarzriesling neue Maßstäbe zu setzen.

Gault&Millau